Tholey – wo, wer, was ist THOLEY?

Die elf heute dort lebenden Mönche arbeiten vor allem in der Seelsorge. Auch betreiben sie eine Gastwirtschaft und ein Gästehaus. Im ehemaligen Schwesternwohnheim sind Flüchtlingsfamilien untergebracht, und im Schaumberger Hof der Abtei – der als saarlandweite Erfassungsstelle dient – leben ca. 60 unbegleitete jugendliche Flüchtlinge.

Tholey hat aber auch eine interessante jüdische Geschichte, die vom 18. Jahrhundert bis 1940 lebendig war. Die erste jüdische Familie hat sich 1729 angesiedelt. 1863 weihte der damalige Bezirksrabbiner von Trier eine Synagoge ein, die 1937 verkauft und später abgerissen wurde.
Seit 2018 bietet Tholey einen weiteren Grund, sich mit diesem Zwölftausend-Seelen-Örtchen zu befassen. Es sind die Fenster der heutigen Abteikirche St. Mauritius, einer querhauslosen, dreischiffigen gotischen Anlage aus der Mitte und zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Allerdings belegt eine Urkunde, dass es sich hierbei um den ersten rechteckigen Kirchenbau handelt. Der fränkische Adelige und Diakon Adalgisel Grimo hat 634 in seinem Testament seinen Besitz mitsamt der dort von ihm errichteten „loca sanctorum“ an das Bistum Verdun vermacht.

Es ist ein kleiner Ort in Saarland, unweit von Saarbrücken und mit einer beachtlichen Geschichte: Erste Spuren einer Besiedlung gehen auf die Kelten zurück. Funde belegen, dass sich später auch die Römer dort tummelten. Im Mittelalter waren weite Teile des heutigen Saarlandes der Abtei Tholey tributpflichtig. In einer Schrift aus dem Jahres 634 geht hervor, dass sich der Ortsname von „Tegolegium“, (ziegelbedecktes Gebäude), ableitet.

Zurück zu den Fenstern, dem Grund meiner Reise.
Im Zuge der notwendigen Sanierungen war die Tholeyer Abteikirche zwei Jahre lang geschlossen. Im Rahmen der Baumaßnahmen wurde auch die nach den Kriegsbeschädigungen provisorisch eingesetzte Verglasung durch eine künstlerische, farbige abgelöst. Seit dem 17. September 2020 – der Wiedereröffnung – sind die „Richterfenster“ in aller Munde und ein Anziehungspunkt für viele.

Hört man „Richterfenster“, so denkt man an die von Gerhard Richter gestalteten Kirchenfenster im Kölner Dom, wo auf einer Fensterfläche von insgesamt 106 qm 11.263 Farbquadrate in 72 Farben nach dem Zufallsprinzip angeordnet wurden. Nun gibt es weitere „Richterfenster“. Für die Abteikirche in Tholey entwarf der Künstler drei Chorfenster, auf den er jeweils abstrakte Motive realisierte. Dieses großzügige Geschenk bezeichnet Gerhard Richter als sein letztes Großwerk.

Die Gestaltung der drei Fenster basiert auf dem Bild mit der Werksbezeichnung 724-4. Dieses Bild ist auch in seinem Buch „Patterns“ veröffentlicht. Dort beschreibt Richter die besondere Technik. Das Bild wurde demnach zuerst digital in senkrechte Streifen geteilt, der zehnte dieser Streifen mehrfach gespiegelt und aneinandergereiht. Durch diese Verfremdung entstanden symmetrische Muster, die dann auf die Maße der Chorfenster übertragen wurden. In der Hofglasmalerei Gustav van Treeck wurden mehrere Glasschichten bemalt, wodurch sie eine einzigartige Tiefenwirkung bekamen.

Durch die Berühmtheit des Künstlerkollegen Richter rücken auch die Fenster der aus Afghanistan stammenden und jetzt in München lebenden Künstlerin Mahbuba Elham Maqsoodi ins Licht. Ihre 14 Fenster sind bunt und figürlich. Sie explodieren in Blutrot und Königsblau, begleitet von einem sparsam gesetzten Sonnengelb. Im linken Seitenschiff sind Darstellungen der Tholeyer Heiligen zu sehen. Im rechten werden benediktinische Heilige gezeigt. In den Fenstern des linken Nebenchores werden die Geburt Jesu, das Pfingstereignis und die Himmelfahrt Christi, sowie die Kreuzigung Jesu thematisiert. Die Fenster im rechten Nebenchor sind dem Klosterpatron Mauritius gewidmet. Im Obergaden des Mittelschiffes werden Figuren aus dem Alten und Neuen Testament gegenübergestellt.

Maqsoodi wendet ein eigenes, innovatives Antikglas-Verfahren an. So soll bei Maqsoodi das Blei, das Konturen schafft, nicht etwa als starre Linie wahrnehmbar sein, sondern fließen – eine Herausforderung für die Glasmaler-Manufaktur.

Fazit: Die Reise hat sich gelohnt und ich kann sie jedem Kunstinteressierten sehr empfehlen.

Autorenlesung, Stadtbücherei Augsburg

„Traum von meinem Vater“

Anfang September unternimmt die Deutsch-Tschechische Gesellschaft Augsburg und Schwaben e. V. den zweiten Versuch, die Autorenlesung mit Karol Sidon, die bereits am 18. März geplant war, durchzuführen. Die Lesung findet am Mittwoch, dem 9. September, um 19:00 Uhr im Saal der Stadtbücherei Augsburg am Ernst-Reuter-Platz statt.

Sidons literarische Erinnerungen beginnen mit den Worten: „Im Jahr fünfundvierzig bekam meine Mutter die Nachricht, dass es besser wäre, mit mir wegzugehen, da mir Deportation und Gaskammer drohten.“

Sidon verarbeitet seine trüben Kindheitserinnerungen im Prag der Vierziger- und Fünfzigerjahre, an die Bewohner der Stadt und diejenigen, die nicht mehr zurückgekehrt sind – allen voran der Vater, der im KZ Theresienstadt umgebracht wurde und den der kleine Karol ein Leben lang vermisst.

Der 1968 in Prag veröffentlichte Roman Traum von meinem Vater erschien erst 2019 in deutscher Übersetzung (ars vivendi, übersetzt von Elmar Tannert).

Karol Sidon (geb. 1942 in Prag), war nach dem Studium an der dortigen Film- und Fernsehakademie als Hörspielautor und Dramaturg tätig. Seit 1970 mit Publikationsverbot belegt, arbeitete er in manuellen Berufen. Als Unterzeichner der Charta 77 wurde er verfolgt und entschied sich 1983 ins Exil zu gehen. 1978 konvertierte er zum Judentum und absolvierte in Heidelberg ein Studium der Judaistik. Seit 1990 lebt er wieder in Prag. 1992 – 2014 war er Oberrabbiner von Prag, bis heute ist er tschechischer Landesoberrabbiner.

Der Abend wird in Kooperation mit dem Tschechischen Zentrum München und dem Adalbert-Stifter-Verein veranstaltet. Es moderiert voraussichtlich Dr. Zuzana Jürgens.

Die Veranstaltung findet unter Corona-bedingten Einschränkungen statt.

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Bernd Zimmer – Sound of Silence

Werke des zeitgenössischen Künstlers Bernd Zimmer
Malerei auf Leinwand und Pappe aus den letzten Jahren
vom 24. Juli bis 20. September 2020
Galerie NOAH (Glaspalast, Augsburg)
Vernissage am 23. Juli – der Künstler wird anwesend sein
Einführung und Künstlergespräch: Galeristin Wilma Sedelmeier  

Der deutsche Maler Bernd Zimmer wurde 1948 in Planegg bei München geboren. Er lebt und arbeitet im Bayerischen Polling, in Piozzano (Italen) und in Warthe (Brandenburg). 

Zimmer zählt zu den „Neuen Wilden“ – eine Kunstrichtung, die in den frühen 1980er Jahren mit einer subjektiven, unbekümmerten und lebensbejahenden Malerei einherging. 

Eindrücke seine Sahara-Reisen inspirierten ihn zu den bekannten Wüstenbildern, in denen er die formale Reduktion an die Grenzen der abstrakten Farbmalerei trieb. Die ebenfalls bekannten und vielbeachteten „Cosmos-Bilder“ sind seinem Interesse an Astronomie und Physik geschuldet.

2012 wurde die Bernd Zimmer Kunststiftung anerkannt. Ziel der Stiftung ist der Erhalt des künstlerischen Werkes von Bernd Zimmer sowie, dessen wissenschaftliche Erforschung und regelmäßige öffentliche Präsentation zu unterstützen.

6 Reflexion. (BR. Farbe und Licht)Reflexion. (BR. Farbe und Licht), 2016 260 x 190 cm, Acryl/Leinwand

9 Das geheime Leben der Sterne 42 1,50x1,20
Das geheime Leben der Sterne 42, 2018 150 x 120 cm, Acryl/Leinwand

Open-Air-Festival – Konzerte im Fronhof

Die Konzerte im Fronhof wurden wie geplant vom 17. bis 19. Juli 2020 durchgeführt!

Aktuelle Bilder vom 18. Juli (Fotos: Wolfgang Hefele)

Das Prager Symphonieorchester gastierte im Fronhof – den Corona-Bestimmungen geschuldet bei aufgelockerter Bestuhlung – und angenehmen Temperaturen unter der Leitung von Wilhelm F. Walz. Jeden einzelnen der Musiker kann man als Virtuosen bezeichnen. Besonders beindruckt hat die Pianistin Tamar Beraia – unglaublich, wie sie den Bechstein-Flügel rockte!

Das Publikum war begeistert und die Künstler zufrieden. Den Veranstaltern kann man zu ihrem Schritt, das 22. Konzertwochenende im Fronhof trotz widriger Umstände durchzuführen, nur gratulieren.

Das Programm: Symphoniekonzert Es-dur für Violine & Viola (Mozart), Symphonie Nr. 1 C-dur (Beethoven) und Klavierkonzert Nr. 5 Es-dur (Beethoven).

Erfreulich, dass trotz der Einschränkungen nun doch die traditionelle Konzertreihe im Fronhof durchgeführt werden kann. Seit 22 Jahren finden jeden Sommer die Open-Air-Festspiele im Augsburger Fronhof statt. Dieses Jahr mussten die Veranstalter wegen der Covid-19 Pandemie bangen. Gerade in der Zeit, in der Vorbereitung und Organisation durchgeführt werden müssen, erlebten wir alle den kulturellen Stillstand. Zuversicht, Mut, Kreativität, und der feste Wille, das geplante Konzert doch noch realisieren zu können, haben sich gelohnt. Nachdem auch von den Behörden – zwar unter Auflagen – grünes Licht gegeben wurde, gab es kein Halt mehr. 

Unter dem Slogan „Denn wir möchten ein Zeichen setzen und spielen trotz Corona-Bedingungen!“ haben die Veranstalter wieder ein wunderbares Programm zusammengestellt. Zum 20. Mal gastiert das SUK-Symphony Orchester aus Prag in Augsburg. 

In Kooperation mit dem Kulturamt der Stadt Augsburg findet am Samstag, dem 18. Juli, ab 17 Uhr unter dem Titel „Konzert für Alle“ eine Aufführung zugunsten notleidender Künstler statt. 

Um Spenden wird gebeten. Das gesammelte Geld fließt zu 100 % an Augsburger Künstlerinnen und Künstler, die durch die Corona-Krise massive finanzielle Einbußen hinnehmen müssen.

Besser als die Veranstalter selber kann man die Beweggründe, ein so umfangreiches und hochkarätiges Programm trotz Corona durchführen zu wollen, nicht beschreiben: 

„Die Konzerte im Fronhof sind in diesem Jahr ein mutiges Projekt gegen die Krise, um den vielen beteiligten Solo-Selbständigen eine Chance zum Auftreten zu geben. Und ein Zeichen, dass die Sehnsucht nach einem Zusammenfinden von Menschen auch in dieser schwierigen Zeit gestillt werden kann.“

Den Auflagen geschuldet ist das deutlich geringere Kartenangebot. Um dem Sicherheitsanspruch gerecht zu werden, darf der Mund- und Nasenschutz erst auf den eingenommenen Plätzen abgenommen werden.

Programm:
Freitag, 17. Juli, 20 Uhr – Operngala I
Orchester: SUK-Symphony Prag
Musikalische Leitung: Wilhelm F. Walz

Wolfgang Amadé Mozart
Cosí fan tutte
Dramma giocoso in 2 Akten (KV 588)
Libretto: Lorenzo da Ponte

Besetzung: Jihyun Cecilia Lee, Fiordiligi, Natalya Boeva, Dorabella, Matthew Swensen, Ferrando Johannes Kammler, Guglielmo (Preisträger – Musikförderpreis des Bezirks Schwaben), Bea Robein, Despina, Henryk Böhm, Don Alfonso, Jacques Malan, Erzähler/ Sprecher.

Samstag, 18. Juli, 17 Uhr – Konzert für Alle
Ludwig van Beethoven
Klavier Sonate Nr. 13 in Esdur op. 27, Nr. 1
1. Andante
2. Allegro molto e vivace
3. Adagio con espressione
4. Allegro vivace,
12 Variationen „Das Waldmädchen“ in A Dur, WoO 71

Frédéric Chopin
Ballade No. 1 in G minor, Op. 23

Franz Liszt
Transcendental Etude No. 1 (Preludio),
Transcendental Etude No. 2 (Molto vivace),
Transcendental Etude No. 3 (Paysage),
Transcendental Etude No. 4 (Mazeppa)

Solist: Evgeny Konnov

Samstag, 18. Juli, 20 Uhr
250. Geburtstag: Ludwig van Beethoven
Orchester: SUK-Symphony Prag
Musikalische Leitung: Wilhelm F. Walz

Wolfgang Amadé Mozart
Sinfonia concertante Es-Dur KV 364 für Violine, Viola und Orchester

Ludwig van Beethoven
Sinfonie Nr. 1 C-Dur op. 21

Ludwig van Beethoven
Klavierkonzert Nr. 5, Es-Dur op. 73
Solisten: Tamar Beraia (Klavier), Martin Kos (Violine,) Karel Untermiller (Viola)

Sonntag, 19. Juli, 19 Uhr – Operngala II
Orchester: SUK-Symphony Prag
Musikalische Leitung: Wilhelm F. Walz

Wolfgang Amadé Mozart
Cosí fan tutte
Dramma giocoso in 2 Akten (KV 588)
Libretto: Lorenzo da Ponte
Besetzung: Jihyun Cecilia Lee, Fiordiligi, Natalya Boeva, Dorabella, Matthew Swensen, Ferrando Johannes Kammler, Guglielmo (Preisträger – Musikförderpreis des Bezirks Schwaben), Bea Robein, Despina, Henryk Böhm, Don Alfonso, Jacques Malan, Erzähler/ Sprecher.

„The Show Must Go On“

Große Musical-Gala in Augsburg

„Schwabens Broadway liegt am Roten Tor in Augsburg“ titulierte der bayerische Rundfunk in seiner Vorberichterstattung bezüglich des aktuellen Musicalspektakels in Augsburg. 

Wegen der Corona-Pandemie drohte das diesjährige geplante Freilichtprogramm gestrichen zu werden. Lange war nicht klar, ob die Bühne dieses Jahr überhaupt bespielt werden darf. Nach der Lockerung der Corona-Regeln sind unter Einhaltung der Vorgaben jedoch Aufführungen wieder möglich. Die Augsburger „Staatstheatermacher“ zeigten sich äußerst flink und kreativ. In kürzester Zeit wurde eine Musical-Gala unter dem Titel „The Show Must Go On“ auf die Beine gestellt.

Statt der unter normalen Bedingungen 2.000 Zuschauerplätze können jetzt dank einer Sondergenehmigung der Stadtverwaltung immerhin 550 Besucher pro Vorstellung eingelassen werden. 

Einstudiert wurden verschiedene Broadway-Klassiker, unter anderem Songs aus „Kiss Me, Kate“, „3 Musketiere“, „Jekyll & Hyde“, „Jesus Christ Superstar“, „Chicago, “Les Misérables, „Rocky Horror Show“, um nur einige zu nennen. Für die Augsburger sicher ein besonderes Highlight ist das Wiedersehen mit Auszügen aus der Fugger-Saga „Herz aus Gold“. Der Abend  endet mit den Abba-Songs „Mamma Mia“ und „The Winner Takes It All“.

Besondere Zeiten verlangen besondere Maßnahmen: Besucherinnen und Besucher müssen einen Mund-Nase-Schutz tragen, erst auf den Plätzen sitzend darf dieser abgenommen werden. Es gibt keine Pause.

Augsburger Philharmoniker & Gäste
Musikalische Leitung: Justin Pambianchi
Musikalische Einrichtung: Stephan Kanyar
Choreographie: Mario Mariano

Die vier Hauptsolist*innen sind: Katja Berg, Chris Murray, Susanna Panzner und Alexander Franzen

Vorstellungen jeweils um 21 Uhr an folgenden Tagen:
Do 2., Fr 3., Sa 4., Di 7., Do 9., Fr 10., Sa 11., So 12., Di 14., Do 16., Fr 17.,  Sa 18., Mi 22., Do 23., Fr 24., Di 28., Mi 29., Do 30. und am Fr 31.

the_show_must_go_on_foto_jan-pieter_fuhr_1561 Kopie.jpgSusanna Panzner, Ensemble / Fotos: Jan-Pieter Fuhr

 

Bob Dylan on Tour – Augsburg

Samstag, am 20. April 2019 in der Schwabenhalle 

Beginn: 20:00 Uhr Eintritt: 90,70 € – 142,50 €

Allgemeiner Vorverkaufsstart: 15.12.2018, 10:00 Uhr

Bei allen bekannten Vorverkaufsstellen und unterwww.allgaeu-concerts.de

Dylan-Songs sind nicht nur Klassiker, sondern lebensnahe Dichtung. Viele von ihnen sind in die amerikanische Literatur eingegangen: „The Times They are A-Changin’ “, „Blowin’ in the Wind“, „Like a Rolling Stone“, „A Hard Rain’s A-Gonna Fall“, „Chimes of Freedom“– um nur einige zu nennen.

Bob Dylangilt als „das Gewissen seiner Zeit, die er mit archetypischen Song-Chiffren prägte“ (Ti me) und für die er 1980 seinen ersten Grammy erhielt. 1993 konnte er einen Ehren-Grammy für sein Lebenswerk entgegennehmen, hielt Einzug in die legendäre „Hall of Fame“, wurde mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet und führte Regie bei cineastischen Seitensprüngen. Dylans Tourneen „werden bejubelt, als sängen Jesus und Marx gemeinsam oder seien die Beatles auferstanden“, urteilte Newsweek. Kaum ein wichtiger Musiker, der ihm nicht in irgendeiner Form Tribut zollte.

„Blowin’ in the Wind“, der wohl bekannteste Song aus der Feder von Bob Dylan, beschreibt das Lebensgefühl seiner Generation. Dieses Lied, in den frühen 60er Jahren geschrieben, von unzähligen Künstlern wie Joan Baez oder Pete Seeger interpretiert, begründete seinen Mythos. Die New York Times bezeichnete ihn als „Shakespeare des 20. Jahrhunderts“. Bob Dylan, der eigentlich Robert Allen Zimmerman heißt, in dem Dorf Duluth (Minnesota) geboren wurde und in der nahegelegenen Grubenstadt Hibbing aufwuchs, erzielte eine Wirkung, wie vor und nach ihm kein zweiter Protagonist der Popkultur.

Pressetext: Allgäu Concerts

DALIBOR – EIN DÜSTERER START IN DIE OPERNSAISON DES STAATSTHEATERS AUGSBURG

Dalibor, Bedřich Smetanas tragische tschechische Freiheitsoper, kam bei deren Uraufführung 1886 selbst beim heimischen Publikum nicht gut an und findet seither nur selten Einzug auf tschechischen oder internationalen Bühnen: zu düster, zu pessimistisch und zu verworren. Umso lobenswerter, dass sich das Augsburger Staatstheater mutig an den unpopulären Stoff heranwagte.

Foto: Jan-Pieter Fuhr

Es geht um den Sagenhelden Dalibor, seinen im Krieg gefallen Freund Zdenek und seine tödlich endende Liebe zu Milada, deren Bruder er tötete. Erst tritt sie als Klägerin auf, verliebt sich jedoch allzu plötzlich in den Delinquenten und bettelt nach dessen Verurteilung vergeblich beim König um Gnade.

Sally du Randt – Foto: Jan-Pieter Fuhr

Smetanas Dalibor, ein Held, aber auch ein Gewalttäter, hat in der Augsburger Inszenierung optisch nichts Heldenhaftes oder Gewalttätiges an sich. Über die gesamte Aufführung torkelt er blutverschmiert, immer ins grelle Spotlight getaucht, durch das grau-schwarz gehaltene Bühnenbild. Die Ausweglosigkeit seines Daseins und die Kälte seines Verlieses werden über zweieinhalb Stunden durch grellweißes Licht und Nebelschwaden im Hintergrund dargestellt.

Scott MacAllister – Foto: Jan-Pieter Fuhr

Unentwegt werden mit Revolvern und Maschinengewehren Gefangene erschossen. Die in Szene gesetzten Erschießungen durch die Wachleute sind überflüssig und deprimierend, gehen aber seltsamerweise nicht wirklich unter die Haut, da die Totgeglaubten nach kurzer Zeit wieder aufstehen und am Geschehen aktiv teilnehmen. Mit starken Bildern versuchte Regisseur Roland Schwab, Smetanas schwaches Werk aufzuwerten, es gelang jedoch nicht, den Inhalt der Oper schlüssig zu vermitteln.

Generalmusikdirektor Domonkos Héja entschied sich für ein groß besetztes Orchester. Es ist ihm gelungen, den musikalischen Reichtum, die böhmische Melodik und Wagners Wuchtigkeit in Harmonien zu vereinnahmen. Mit der eher zurückhaltenden Komposition Smetanas hat dies jedoch wenig bis gar nicht korrespondiert.

In der Rolle der Jitka überzeugte die Koreanerin Jihyun Cecilia Lee und wurde mit dem meisten Beifall belohnt. Sally du Rande als Gräfin Mylady hatte mit Intonationsproblemen zu kämpfen. Scott MacAllister spielte den Dalibor wenig überzeugend. Trotzdem geizte das Augsburger Publikum nicht mit Lob und lang anhaltendem Beifall.

Weitere Termine: 21. und 23.10., 01. und 18.11., 16. und 29.12.1018, 05.01. und 15.02.2019

Mátala – Μάταλα

Mátala (Μάταλα), das einst verschlafene Dorf an der zentralen Südküste Kretas mit gerade mal knapp 70 Einwohnern, wird vor allem in der Hauptsaison von Touristen im wahrsten Sinne des Wortes überflutet. In der „Touri-Fußgängerzone“ reiht sich ein Souvernierladen an den anderen. An Fastfood- und traditionellen Restaurants fehlt es auch nicht. Das einstige Fischerdörfchen ist heute ein modernes Ferienzentrum, das mit einem  wunderschönen Strand und bizarren Höhlen lockt. Den geringen Eintritt von 2 Euro sollte man durchaus investieren. Es lohnt sich. Die Höhlen stammen aus der Jungsteinzeit und dienten damals den Menschen als Wohnstätten.

Um ca. 150 nach Chr., als Kreta von den Römern besetzt war, wurden die Höhlen als heimlicher Friedhof genutzt, und in einer zur Kirche umgestalteten Höhle hielten die verfolgten Christen ihre heilige Messe ab.

Der griechischen Mythologie nach brachte Zeus die von ihm entführte phönizische Prinzessin Europa hier in Matala an Land, um dann als Adler mit seiner Beute weiter nach Gortyn zu fliegen.

Aber nicht nur der altgriechische „Oberboss“ besuchte den malerischen Ort. Eine weitere Legende besagt, dass sich auch Cäsars Sohn, General Brutus, in Matala aufgehalten hat. Eine der Höhlen, die Brutospeliana, ist nach ihm benannt.

Während der Flower-Power-Zeit kamen viele Hippies nach Matala, vor allem aus den USA. Sie wollten nicht zum Vietnam-Krieg eingezogen werden. Es war eine der größten Friedensbewegungen der Neuzeit. Die Blumenkinder der 60er Jahre besiedelten die historischen Höhlen also aufs neue. Unter ihnen waren  auch Größen wie Cat Stevens, Bob Dylan und Joni Mitchell.

Die Höhlen stehen heute unter Denkmalschutz. Jedes Jahr, jeweils im Juni, findet bei den Höhlen ein Beach-Festival mit Live-Musik statt. Tausende Partygäste lassen dann die Unbeschwertheit der Hippies aus den 1960er Jahren wieder aufleben.

Kreta – Κρήτη

Den altgriechischen Namen Κρήτη gab es schon in der Antike, er ist bis heute noch gültig. Aus der Antike sind auch bedeutende Ausgrabungen erhalten, die man unbedingt besichtigen sollte.

Knossos (Κνωσός) liegt in der Nähe der Hauptstadt Heraklion. Der Palast von Knossos ist neben den Palästen von Mila, Phaistos und Kato Zakros das größte minoische Bauwerk auf Kreta und wurde von Griechenland mit dem europäischen Kulturerbe-Siegel ausgezeichnet. Die beeindruckenden und zum Teil sehr gut erhaltenen Ausgrabungen locken natürlich viele Touristen an. Busweise werden sie dort angekarrt. Trotzdem sollte man sich einen Tag auf den Rummel einlassen.

Lato (Λατώ) war eine antike Stadt im Nordosten der Insel und wurde nach der Göttin Leto benannt. Ursprünglich befand sich dort eine minoische Siedlung. Die antiken Bewohner prägten sogar ihre eigenen Münzen. Die Ruinen stammen aus dem 5. Jahrhundert v. Chr. Die Grundmauern der Wohnhäuser sind gut erkennbar, sowie auch die Heiligtümer, wie z. B. die Reste der Agora oder die einer Zisterne. Die Historiker fanden heraus, dass Nearchos, ein Admiral unter Alexander dem Großen, wahrscheinlich aus Lato stammt.

Kreta liegt 100 Kilometer südlich vom Festland und ist die größte griechische Insel nach Zypern und die zweitgrößte des östlichen Mittelmeeres. Nach Afrika (Libyen) sind es nur ca. 300 km. Von der östlichen bis zur westlichen Küste misst sie 250 km, die schmalste Stelle ist nur 12 Kilometer breit.

Kreta ist sehr gebirgig. Während im Süden eher steile Küstenformen vorzufinden sind, lockt der Norden mit herrlichen, flachen Sandstränden. So wird Kreta sowohl von Wanderfreunden als auch von den klassischen Strandtouristen gerne besucht. Nicht zuletzt lockt die kurze Flugzeit – gerade mal knappe drei Stunden von München aus. Das Klima verspricht von März bis Oktober einen angenehmen Aufenthalt. Im Frühjahr und Herbst herrscht ein eher gemäßigtes Badewetter, im Sommer muss man mit 30 Grad und mehr rechen.

Der Psiloritis im Idagebirge ist mit seinen 2.456 m der höchste Berg der Insel; ihm folgt der Lefka Ori (2.352 m). Bizarre Schluchten und Höhlen durchziehen die ganze Insel. Wer nicht wandern will, kann die Landschaft auch vom Auto, Motorrad oder „Quad“ aus genießen. Bis auf wenige Ausnahmen muss man allerdings Straßen und Wege in sehr schlechtem Zustand in Kauf nehmen.

Internationales Django Reinhardt Festival Augsburg

2. Juni 2018, shDSCF5554

Das Ereignis für die Freunde des Gypsy Jazz – heuer zum ersten Mal im Augsburger Parktheater – sorgte für ein ausverkauftes Haus, kein Wunder bei so prominenten Gitarristen wie Philip Catherine, Wawau Adler, Giovanni Weiss (Sohn des legendären Hänsche Weiss), Paulo Morello und Robin Nolan. Souverän am Bass: Joel Locher.

Der heute fast 76-jährige belgische Gitarrist Philip Catherine entdeckte sein Instrument, nachdem er Georges Brassens gehört hatte. Beeinflusst wurde er vor allem durch Django Reinhardts Musik. Charles Mingus nannte ihn „Young Django“. Catherine ist seitdem in den verschiedensten Besetzungen mit vielen namhaften Musikern wie Chet Baker, Didier Lockwood Bank Goodman, Klaus Dollinger, Miroslav Vitouš, Caral Bley u. v. a. aufgetreten. Aus der Reihe seiner vielen Jazzmusiker-Preise sind die Auszeichnung der Deutschen Phono-Akademie „Künstler des Jahres 1978, der belgische „Django d’Or“ 1995 und der französischer „Django d’Or“ 1998 zu nennen.

Der 48-jährige deutsche Jazzgitarrist, Komponist und Musikproduzent Paulo Morello studierte Jazzgitarre als Hauptfach am Meistersingerkonservatorium in Nürnberg. Seine Wegbegleiter waren so große Musiker wie Jim Hall, Attila Zoller, George Garrone, Jerry Bergonzi, Jimmy Cobb, Frank Foster, um nur einige wenige zu nennen. Heute ist er mit den bekanntesten Musikern wie z. B. Larry Cornell, Helmut Magerer, Andreas Dombert, Tiziano Jost, Hendrik Meurkens und Wolfgang Lackerschmid musikalisch unterwegs. Seit 1999 arbeitet er als Dozent an der Nürnberger Hochschule für Musik.

Wawau Adler stammt aus einer Familie deutscher Sinti-Musiker. Das Licht der Welt erblickte er 1967 in Karlsruhe. Im Alter von neun Jahren entdeckte er für sich das Gitarrenspiel. Mit 13 Jahren trat er schon in seinen ersten Konzerten auf. Im Laufe der Jahre erweiterte er seinen musikalischen Horizont und so spielt er heute neben Gypsy auch Mainstream Jazz und Jazzrock. Adler tourt durch die ganze Welt und ist ein gefeierter Gast auf allen Django-Reinhardt-Festivals rund um den Globus.

Giovanni Weiss (38) entstammt einer in Hamburg lebenden Sintifamilie.  Seit seinem zwölften Lebensjahr spielt er Gitarre. Gemeinsam mit Kohé Reinhardt, einem Neffen von Django Reinhardt, Robert Weiss und Jeffrey Weiss gründete er die Band Django Deluxe, die 2012 ihr erstes Album Wilhelmsburg veröffentlichte. Im Jahr 2013 wurde er mit dem Echo Jazz als „bester nationaler Gitarrist“ ausgezeichnet. Den zweiten Echo Jazz erhielt er 2016. 

Zu den weltweit angesehensten Vertretern der Gypsy-Jazz-Gitarre seit Django Reinhardt zählt auch der Engländer Robin Nolan. Seine Musikalität entdeckte er 1968 in einem Evakuierungskrankenhaus in Vietnam. Nolans prägende Jahre erlebte er in Hong Kong. In der uneigennützigen Hoffnung, dass das Talent seines Sohnes noch heller leuchten würde als sein eigenes, brachte sein Vater ihm bereits mit sechs Jahren das Gitarrenspiel bei. Ein Ausflug  mit seinem Vater und musikalischen Mentor zum jährlichen Django Reinhardt Festival in Samois-Sur-Seine, Frankreich, im Jahr 1991 veränderte  Nolans Perspektive auf die Musik für immer. Er zählt heute zu den  besten Gypsy-Gitarristen.

Joel Locher stammt aus einer Musikerfamilie; seine Mutter ist Opernsängerin, der Vater klassischer Kontrabassist. Mit fünf Jahren erhielt er Klavier- und Cellounterricht, mit zwölf Jahren begann er Trompete zu spielen. Im zarten Alter von zehn Jahren hatte er begonnen, sich auch für Jazz zu interessieren. Mit Wawau Adler,  Olivia Trummer, Frank Kuruc, Pee Wee Ellis, Peter Fessler, Gee Hey Lee, Sandro Roy u. v. a. ist der begnadete Bassist immer wieder auf den „Jazz-Brettern“ dieser Welt zu sehen und zu hören.

Das Festival ins Parktheater Augsburg zu verlegen, war eine gute Idee. Das Ambiente ist einmalig. Trotz der anscheinend immer noch überforderten Klimatisierung des Saales feierte das Publikum die Akteure mit begeistertem Applaus. 

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