DALIBOR – EIN DÜSTERER START IN DIE OPERNSAISON DES STAATSTHEATERS AUGSBURG

Dalibor, Bedřich Smetanas tragische tschechische Freiheitsoper, kam bei deren Uraufführung 1886 selbst beim heimischen Publikum nicht gut an und findet seither nur selten Einzug auf tschechischen oder internationalen Bühnen: zu düster, zu pessimistisch und zu verworren. Umso lobenswerter, dass sich das Augsburger Staatstheater mutig an den unpopulären Stoff heranwagte.

Foto: Jan-Pieter Fuhr

Es geht um den Sagenhelden Dalibor, seinen im Krieg gefallen Freund Zdenek und seine tödlich endende Liebe zu Milada, deren Bruder er tötete. Erst tritt sie als Klägerin auf, verliebt sich jedoch allzu plötzlich in den Delinquenten und bettelt nach dessen Verurteilung vergeblich beim König um Gnade.

Sally du Randt – Foto: Jan-Pieter Fuhr

Smetanas Dalibor, ein Held, aber auch ein Gewalttäter, hat in der Augsburger Inszenierung optisch nichts Heldenhaftes oder Gewalttätiges an sich. Über die gesamte Aufführung torkelt er blutverschmiert, immer ins grelle Spotlight getaucht, durch das grau-schwarz gehaltene Bühnenbild. Die Ausweglosigkeit seines Daseins und die Kälte seines Verlieses werden über zweieinhalb Stunden durch grellweißes Licht und Nebelschwaden im Hintergrund dargestellt.

Scott MacAllister – Foto: Jan-Pieter Fuhr

Unentwegt werden mit Revolvern und Maschinengewehren Gefangene erschossen. Die in Szene gesetzten Erschießungen durch die Wachleute sind überflüssig und deprimierend, gehen aber seltsamerweise nicht wirklich unter die Haut, da die Totgeglaubten nach kurzer Zeit wieder aufstehen und am Geschehen aktiv teilnehmen. Mit starken Bildern versuchte Regisseur Roland Schwab, Smetanas schwaches Werk aufzuwerten, es gelang jedoch nicht, den Inhalt der Oper schlüssig zu vermitteln.

Generalmusikdirektor Domonkos Héja entschied sich für ein groß besetztes Orchester. Es ist ihm gelungen, den musikalischen Reichtum, die böhmische Melodik und Wagners Wuchtigkeit in Harmonien zu vereinnahmen. Mit der eher zurückhaltenden Komposition Smetanas hat dies jedoch wenig bis gar nicht korrespondiert.

In der Rolle der Jitka überzeugte die Koreanerin Jihyun Cecilia Lee und wurde mit dem meisten Beifall belohnt. Sally du Rande als Gräfin Mylady hatte mit Intonationsproblemen zu kämpfen. Scott MacAllister spielte den Dalibor wenig überzeugend. Trotzdem geizte das Augsburger Publikum nicht mit Lob und lang anhaltendem Beifall.

Weitere Termine: 21. und 23.10., 01. und 18.11., 16. und 29.12.1018, 05.01. und 15.02.2019