Oooostsee 2021

Lübeck – Travemüde – Fehmarn

Eine Reise an die „Ooostsee“ (so die Ausdrucksweise eines Kapitäns auf einem Ausflugsdampfer)

Die Hansestadt Lübeck wurde 1143 gegründet und erhielt bereits 1160 das Stadtrecht. Sie gilt als die „Königin und Mutter der Hanse“, wird auch die „Stadt der Sieben Türme“ und das „Tor zum Norden“ genannt.

Die „Backsteingotik“ entstand im Mittelalter, als Lübeck die Hauptstadt der Hanse war. Eines der bekanntesten Wahrzeichen der „Marzipanstadt“ ist das Holstentor, das – selbstverständlich auch aus Backstein – 1478 fertiggestellt wurde. Das spätgotische Bauwerk gehört zusammen mit dem weniger bekannten Burgtor zu den Überresten der Stadtbefestigung.

Über die vielen interessanten Bauwerke könnte man viel schreiben. Doch besonders möchte ich auf die Marienkirche hinweisen, die im 13. – 14. Jahrhundert errichtet wurde und als Vorbild für viele Kirchen dieses Stils im Ostseeraum Pate stand. Mit der Marienkirche wurde der hochstrebende Gotik-Stil aus Frankreich mit norddeutschem Backstein umgesetzt. Bis heute enthält sie das höchste Backsteingewölbe der Welt – das Mittelschiff misst 38,5 Meter. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das zerstörte Bauwerk wieder aufgebaut.

Die Lübecker Altstadt liegt auf einer der Trave-Inseln. Mit ihren unzähligen Kulturdenkmälern wurde sie 1987 als Teil des UNESCO-Welterbes ausgerufen.

Wir hatten uns entschieden, unser Domizil für eine Woche im nahen Ferienort Travemünde an der Ostsee aufzuschlagen. Unser Kulturprogramm ergänzten wir mit Fahrradtouren am Steilufer der Ostsee. Kulinarisch hat das Örtchen auch einiges zu bieten. Fischrestaurants säumen die Ufer der Trave. Die Strandpromenade von Travemünde, mit Blick auf die Lübecker Bucht, lädt zum gemütlichen Verweilen ein. Und auch hier gibt es eine kulturelle Besonderheit. Im alten Leuchtturm von 1539, einem Backsteinbau, befindet sich heute ein interessantes Schifffahrtsmuseum. Im Rahmen einer Führung kann die historische Viermastbark „Passat“ besichtigt werden.

Der Priwall, eine Halbinsel, liegt an der Travemündung im Osten Schleswig-Holsteins und gehört seit 1226 zur Stadt Travemünde. Der im 13. Jahrhundert errichtete Steindamm zwischen dem Priwall und dem Festland nach Mecklenburg deutet darauf hin, dass die Halbinsel ursprünglich eine Insel in der Travemündung war.

Während der Nazizeit beanspruchte die Reichsluftwaffe das Gelände für sich. Ein schmaler, betonierter Weg der alten Flughafenlandebahn wird heute zum Teil als Radweg genutzt. Im 2. Weltkrieg war der Priwall für Zivilisten gesperrt. In der Pötenitz Wiek sind noch die Ruinen des ehemaligen Luftzeugamtes und die Anlegermole zu sehen. Die Rollbahn wurde von den britischen Bombern zerstört.

Ein kleiner Teil des Priwalls gehörte bis 1990 zur DDR und war der nordöstlichste Teil der innerdeutschen Grenze, von der nichts mehr zu sehen ist.

Die Insel Fehmarn ist mit ihrer Fläche von 185 km² die drittgrößte Ostseeinsel Deutschlands und verfügt über etwa 78 km Küstenlänge. Im Ort Staberhuk befindet sich der östlichste Punkt Schleswig-Holsteins. Der nördlichste ist in Marienleuchte, wo die Marine-Küstenstation bis heute von der Bundeswehr betrieben wird. Vor allem im Kalten Krieg diente sie zur Ortung von Schiffen und zum Abhören von Nachrichtenverkehr.

Die ersten Siedlungsspuren deuten auf Fischer, vermutlich Nachfolger von Rentierjägern, die um 5000 v. Chr. auf Fehmarn lebten. Die Insel war damals noch mit dem Festland verbunden. Sie wurde vor rund 4300 Jahren durch geologische Kräfte abgetrennt.

Die Slawen – von denen auch der heutige Name stammt – besiedelten die Insel von 400 – 900 n. Chr. Fehmarn kommt von fe more, was so viel wie „im Meer“ heißt.

Seither wechselten sich verschiedene Völkergruppen ab, die alle ihre Spuren hinterließen.

Im Mai 1945 – nach der Kapitulation der deutschen Wehrmacht – erreichten die ersten britischen Truppen die Insel und Fehmarn wurde gegen den Willen Stalins britisches Besatzungsgebiet. Für deutsche U-Boot-Fahrer wurde hier ein Kriegsgefangenenlager errichtet. 1946 wurde Preußen von den Alliierten aufgelöst und Fehmarn wurde Teil des neu gegründeten Landes Schleswig-Holstein.

Eine Besonderheit, von der kaum jemand weiß, ereignete sich am 5. September 1970. Um 12:56 betrat Jimi Hendrix die Bühne des „Love-and-Peace-Festivals“ auf Fehmarn. Es war sein letzter Auftritt vor seinem Tod. Er starb zwölf Tage später in London. Im Sommer 1997 wurde auf dem damaligen Festivalgelände ein ca. 2,5 m hoher Jimi-Hendrix-Gedenkstein aufgestellt. Er befindet sich am Ende des Campingplatzes „Flügger Strand“, ca. 60 m vom Wasser entfernt.

Auf dem Nehrungshaken „Krummsteert“ (krummer Schwanz), südlich von Flügge, befindet sich ein Naturschutzgebiet mit strengsten Auflagen – ein sogenanntes Totalreservat, das vor menschlichen Einflüssen weitgehend geschützt und der natürlichen Entwicklung überlassen wird. Es handelt sich hierbei um eine der naturräumlichen Erscheinungen in Deutschland, die aufgrund des Prozessschutzes nicht betreten werden dürfen.

2003 fusionierten die Orte Bannesdorf, Landkirchen, Westfehmarn und Burg. Damit besteht die ganze Insel Fehmarn nur noch aus einer Stadt. In Burg – dem Stadtteilzentrum – befindet sich ein sehenswertes Aquarium mit dem größten Haifischbecken Deutschlands.

Ebenfalls in Burg gibt es eine weitere Attraktion. In einer 900 Quadratmeter großen Freiflughalle flattern bis zu 1000 Falter herum, rund vierzig verschiedene Arten, unter anderem auch der größte Schmetterling der Welt. Der Atlas-Seidenspinner mit einer Flügelspanne von bis zu 30 Zentimetern hat leider nur eine Lebensdauer von fünf Tagen. Der Grund: er kann sich nicht allein ernähren. Doch selbst, wenn er gerade nicht unter seinen farbenfrohen Artgenossen weilt, ist ein Besuch im Schmetterlingspark recht vergnüglich und interessant.

Aufgrund der Corona-Bestimmungen wird empfohlen, vorab eine Onlinebuchung vorzunehmen. Gäste mit einem Onlineticket erhalten auf der sogenannten „Premium-Linie“ bevorzugten Einlass.

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