Starlight Express rockt den „Kohlenpott“

Auf meiner sommerlichen Entdeckungsreise durch Deutschland besuchte ich unter anderem die sechstgrößte Stadt Nordrhein-Westfalens, die im Zentrum des größten Ballungsraums Deutschlands liegt. Was mich jedoch dieses Mal nach Bochum zog, war nicht der Bergbau und auch nicht Herbert Grönemeyer (der übrigens schon lange nicht mehr dort lebt), sondern der legendäre Starlight Express!

Das Erfolgsmusical erzählt den Traum eines Kindes, in dem Züge aus verschiedenen Ländern an einem rasanten Rennen teilnehmen. Der amtierende Weltmeister ist die Diesellok „Greaseball“. „CoCo“, der Schnellzug aus Frankreich, „Manga“ der japanische Shinkansen-Zug, der italienische Rom-Mailand-Express „Espresso“, der deutsche ICE „Ruhrgold“ und die junge Dampflok „Rusty“ fordern den „Diesel-Protz“ heraus. Der Held der Geschichte ist die junge, aber rostige Dampflok „Rusty“.

Showfoto STARLIGHT EXPRESS

Seit 2018 starten bei der internationalen Züge-Weltmeisterschaft auch weibliche Lokomotiven, wie zum Beispiel die französische Lok „Coco“. Die Figur der „Alte Dampflok“, die bisher vom „Papa“ verkörpert wurde, ist in der neuen Version eine „Mama“. Neu im Rennen ist der internationale Zug „Brexit“, der jedoch nur einen kurzen Auftritt hat, da er die falsche Ausfahrt erwischt und somit ausscheidet. Ein kleiner Seitenhieb?

Showfoto STARLIGHT EXPRESS

Die E-Lok „Electra“ wurde mit modernsten technischen Spezialeffekten ausgestattet. Neu im Spiel ist auch der 1.-Klasse-Waggon „Pearl“, der sich zwar zu „Rusty“ hingezogen fühlt; doch zu seiner großen Enttäuschung fährt Pearl doch das erste Rennen mit „Electra“.

In seiner größten Trauer taucht plötzlich der legendäre Starlight Express auf, der dem mutlosen „Rusty“ zu neuem Selbstbewusstsein verhilft. Mit neuem Mut geht die rostige Dampflok ins Finale und „Pearl“ begreift, wer ihre wahre Liebe ist.

Showfoto STARLIGHT EXPRESS

Zum ersten Mal besuchte ich diese spektakuläre Musicalshow bereits 1988 und war schon damals sehr beeindruckt. Zum 30-jährigen Jubiläum 2018 wurde das Musical umfassend überarbeitet und modernisiert. In der Rekordzeit von nur 19 Monaten wurden ein neues Bühnenbild, neue Soundanlage und ein höchst innovatives Lichtdesign kreiert. Andrew Lloyd Webber hat unter anderem an passenden Stellen neue musikalische Akzente gesetzt. So wurde das Musical zum Beispiel durch einen mitreißenden und vom Publikum gefeierten Rap bereichert. Auch die Bandansage des kleinen Jungen wurde entsprechend der heutigen Zeit überarbeitet. 

Wie sich die Produktion an aktuelle Begebenheiten anpasst, wird einem bereits im „Opening“ klar vorgeführt. Während die internationalen Lokomotiven mit wehenden Fahnen an den Zuschauern vorbeirasen, darf der russische Trans-Sibirien-Express „Turnov“ zwar mitfahren, seine Fahne bleibt jedoch eingerollt. Der Grund ist Russlands Angriffskrieg in der Ukraine. Eine weitere Solidaritätsbekundung ist die leicht veränderte Textpassage: aus „Putins Shootingstar“ wurde „Hashtag Oligarch“. 

Starlight Express – das ist: rasante Unterhaltung, Eintauchen in eine fantasievolle Welt von Geschwindigkeit, spektakuläre Action und tiefe Emotionen. Die Reise quer durch Deutschland hat sich gelohnt und mein siebenjähriges Ferienkind Nora war mindestens so begeistert wie ich. Nebenbei: uns trennen 66 Jahre!

So sieht Begeisterung aus!

Empfehlenswert ist das „Family & Friends“ Sommerangebot (gültig noch bis 9. September 2022) ab 150 €. Nutzen können es Familien bis zu 5 Personen mit mindestens 2 Kindern (Family-Paket), oder bis zu 4 Erwachsene (Friends-Paket).

Skate Warm-up

Skate Warm-up jeden Donnerstag: Für 19,90 € (Erwachsene) und 14,90 € (Kinder) kann man dem Ensemble beim Skate-Warm-up zuschauen und nebenbei auch interessante Informationen zum Musicaltheater erfahren.

Informationen dazu unter: www.starligt-express.de/family-friends

Tickets und weitere Infos: www.starlight-express.de

Rügen

Die Ostseeinsel ist vor allem bekannt wegen der weitläufigen Strände und der weißen Kreidefelsen – dem „Königsstuhl“ auf der Halbinsel Jasmund. Die zwölfstündliche Autofahrt hat uns ziemlich viel Geduld abverlangt, doch am Ziel waren alle Strapazen vergessen. Bisschen Wind, bisschen bewölkt, genug Sonne und viel Strand!

Über den Kreidefels muss man nicht mehr viel schreiben. Er ist da und eine Attraktion! Weniger bekannt ist das in Sassnitz liegende englische U-Boot „HMS Otus“, das als Marinemuseum genutzt wird. Platzangst sollte man nicht haben.

Empfehlenswert ist eine Radtour auf die Halbinsel Bug (500 ha) – südlichwestlich von Dranske – misst an der schmalsten Stelle nur 55 Meter. Der Name „Bug“ wird zum einen auf den im Jahre 1284 erstmals urkundlich erwähnten Inhaber der Landzunge, Ritter Antonius de Buge, zurückgeführt. Zum anderen wird Bug von der deutschen Bedeutung „Biegung“ abgeleitet. An der südlichsten Spitze befindet sich der sogenannte„Buger Haken“. Er ist der größte „Sandhaken“ der Insel und wächst weiter. In den Jahren 1835 bis 1930 wuchs er durch Sandanlagerungen jährlich um durchschnittlich sechs Meter. 1961 bis 1965 errichtete man dort einen Stützpunkt für die 6. Flottille der Volksmarine; bis 1990 blieb er Stützpunkt der Schnellbootflottille und Sperrgebiet. Im darauffolgenden Jahr wickelte die Bundesmarine den Stützpunkt ab.

Der nördlichste Punkt Rügens soll Kap Arkona sein, was allerdings nicht richtig ist. Ungefähr einen Kilometer weiter nordwestlich befindet sich eine Stelle der Steilküste, Gellort genannt, die noch etwas weiter nördlicher ist. Kap Arkona gehört zu den beliebtesten Ausflugszielen auf Rügen und lockt jährlich ca. 800.000 Besucher an. Am Kap befinden sich zwei Leuchttürme, ein ehemaliger Marinepeilturm, zwei ehemalige Militärbunker, eine Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes und Reste der Jaromarsburg. Die ehemalige Kultstätte des slawischen Stammes der Ranen war vom 9. bis zum 12. Jahrhundert dem Gott Svatovit gewidmet. In den letzten Jahrhunderten sind immer wieder große Teile des Kliffs ins Meer gestürtzt, weshalb von der Tempelburg heute nur noch der Burgwall sichtbar ist.

Eine Reise an die „Ooostee“ -Lübeck

Die Hansestadt Lübeck wurde 1143 gegründet und erhielt bereits 1160 das Stadtrecht. Sie gilt als die „Königin und Mutter der Hanse“, wird auch die „Stadt der Sieben Türme“ und das „Tor zum Norden“ genannt. Die Altstadt liegt auf einer der Trave-Inseln. Mit ihren unzähligen Kulturdenkmälern wurde sie 1987 als Teil des UNESCO-Welterbes ausgerufen.

Das Holstentor

Die „Backsteingotik“ entstand im Mittelalter, als Lübeck die Hauptstadt der Hanse war. Eines der bekanntesten Wahrzeichen der „Marzipanstadt“ ist das Holstentor, das – selbstverständlich auch aus Backstein – 1478 fertiggestellt wurde. Das spätgotische Bauwerk gehört zusammen mit dem weniger bekannten Burgtor zu den Überresten der Stadtbefestigung.

Über die zahlreichen interessanten Bauwerke könnte man viel schreiben. Doch besonders möchte ich auf die Marienkirche hinweisen, die im 13. – 14. Jahrhundert errichtet wurde und als Vorbild für viele Kirchen dieses Stils im Ostseeraum Pate stand. Mit der Marienkirche wurde der hochstrebende Gotik-Stil aus Frankreich mit norddeutschem Backstein umgesetzt. Bis heute enthält sie das höchste Backsteingewölbe der Welt – das Mittelschiff misst 38,5 Meter. Nach dem 2. Weltkrieg wurde das zerstörte Bauwerk wieder aufgebaut.

Nach dem Holstentor ist der meistfotografierte Ort von Lübeck der Teufelsstein, der direkt an den Außenmauern der Marienkirche liegt und auf dem seit 1999 ein kleiner bronzener Teufel sitzt. Teufel und Kirche? Eine Tafel klärt auf, hier eine verkürzte Version:

Als man die Grundmauern für die Marienkirche legte, kam der Teufel vorbei. Man erzählte ihm, man sei dabei, ein Weinhaus zu errichten. Der Teufel freute sich und legte begeistert selbst Hand an. Wegen seiner teuflischen Kräfte soll die Kirche in Rekordzeit entstanden sein. Kurz vor Fertigstellung aber wurde dem Teufel klar, dass er hereingelegt worden war, dass er an einem Gotteshaus mitgebaut hatte. Wutentbrannt wollte er einen großen Steinbrocken auf die fast fertige Kirche schleudern. Doch als man ihm versprach, daneben noch ein Weinhaus zu bauen, ließ er den den Riesenbrocken neben der Kirchenmauer fallen. Ob er sich an dem Ratskellerbau beteiligte, weiß man nicht.“

Ohne es zu wissen, half der Teufel beim Kirchenbau

Sommerreise durch Deutschland fe more – Fehmarn

Die wunderschöne Ostseeinsel wurde vor rund 4300 Jahren durch geologische Kräfte vom Festland abgetrennt. Die ersten Siedlungsspuren deuten auf Fischer. In der Zeit von 400 bis 900 n. Chr. besiedelten Slawen weite Teile der Region im Nordosten, unter anderem Pommern (po more – am Meer) und Fehmarn (fe more – im Meer).

Wir haben die Insel „per pedales“ erkundet. Dabei stießen wir auf einen 2,5 m hohen Gedenkstein. Nicht schlecht überrascht hat uns die Inschrift: „Am 5. September 1970 um 12:56 betrat Jimi Hendrix hier die Bühne des Love-and-Peace-Festivals.“ Es war sein letzter Auftritt vor seinem Tod. Diese Pilgerstätte ist nicht ganz einfach zu finden. Sie liegt am Ende des Campingplatzes „Flügger Strand“, ca. 60 m vom Strand entfernt.

Die fleißigen Radler Sonja und Wolfgang

Das Naturschutzgebiet – mit strengsten Auflagen, ein sogenanntes „Totalreservat“ – befindet sich südlich von Flügge auf dem Nährungshaken, „Krummsteert“ (krummer Schwanz) genannt. Gerne hätten wir dieses Gebiet durchfahren, doch auf Grund des Prozessschutzes ist das Betreten streng verboten.

Begeistert haben uns die Blütenrabatten entlang der meisten Landstraßen.

Kornblumen und Klatschmohn

In Burg, der „Hauptstadt“ der Insel, sollte man unbedingt das Aquarium mit Deutschlands größtem Haifischbecken besuchen. Das „Meereszentrum“ wurde 2005 fertiggestellt und hat sicher schon bessere Tage erlebt. Trotzdem: wann hat man schon Gelegenheit, Sandtiger-, Schwarzspitzen-, Zitronen- und Ammenhaie aus nächster Nähe zu beobachten? Erwähnenswert ist auch eine weitere Attraktion: In einer 900 Quadratmeter großen Freiflughalle flattern bis zu 1000 Falter herum. Rund vierzig verschiedene Arten, unter anderem auch der größte Schmetterling der Welt. Selbst wenn man nicht gerade das Glück hat, den Atlas-Seidenspinner mit einer Flügelspanne von bis zu 30 cm in seiner ganzen Pracht zu sehen (er hat eine Lebensdauer von nur fünf Tagen), ist ein Besuch im Schmetterlingspark recht vergnüglich und interessant.

Tourist-Informationen